Unser heutiges Papiergeld-"Experiment" - Was ist Papiergeld? – unser heutiges Geld!
Unser heutiges Geld hat den Charakter eines Waren- oder Sachgeldes längst verloren. Spätestens seitdem Nixon das Goldfenster 1973 endgültig schloß und damit die letzte Verbindung zwischen Papiergeld und Gold kappte, ist das Papiergeld nicht mehr mit Gold gedeckt. Im Gegensatz zum Waren- oder Sachgeld, wo jeder Geldschein zu 100% mit Gold gedeckt war, d.h. der Dollar war nichts anderes als eine Gewichtsbezeichnung für eine bestimmte Menge Gold (20 US-Dollar, ab 1934 entsprachen 35 US-Dollar 1 Unze Feingold (31,10g)) und die Banknote damit eine Art Lieferschein für bereits existierende Güter, ist das Papiergeld ein Schuldgeld.
Folglich hält der Inhaber einer Banknote heute ein Versprechen über die Lieferung von zukünftigen Gütern in der Hand, nicht einen Rechtsanspruch auf bereits existierende Güter. Die Zentralbank hat weder die gesetzliche Verpflichtung eine Banknote gegen Gold einzutauschen, noch könnte sie es tun. Weil die Zentralbank alte wie neue Banknoten nicht mit Gold zu decken braucht, sind der Ausweitung der Geldmenge keine Grenzen gesetzt. So beträgt die Deckung des US-Dollar heute rund 1,8%. Bekäme man bei einer goldgedeckten Währung für je 35 US-Dollar 1 Unze Feingold, so reichen die Goldbestände heute nur mehr für die Rückerstattung von 1,8% aus. Anders ausgedrückt: Der Dollar hat mehr als 98% an Wert verloren.
Ähnliches gilt für die meisten anderen Währungen, auch in Europa. Weil sich das ungedeckte Papiergeld nicht aus dem Marktprozeß entwickeln kann – wer würde schon einen ungedeckte Geldschein einem gedeckten Geldschein vorziehen – kennt man es auch unter der englischen Bezeichnung “fiat money”. (Fiat = lat. “Es werde”). Papiergeld wird demnach top-down von den Zentralbanken der Gesellschaft aufgedrängt.
Die Geldschöpfung durch die Geschäftsbanken
Den weitaus größeren Anteil an der Schöpfung von ungedecktem Geld, auch Buch- oder Giralgeld genannt, tragen unter tatkräftiger Mithilfe der Zentralbank, die Geschäftsbanken. Diese können wie aus dem Nichts Buchgeld schaffen, indem sie Spareinlagen nicht zu 100% mit realen Werten decken, sondern nur mit dem jeweiligen Mindestreservesatz. Bei einem Mindestreservesatz von 10% kann so die Geldmenge bis zum 10fachen, dem Kehrwert des Mindestreservesatzes, ansteigen. Heute liegt der Mindestreservesatz bei 2% oder gar bei 0%, d.h. die Geldmenge kann um das 50fache bis ins theoretisch unendliche anwachsen.
Der Effekt auf die Wertbeständigkeit des Geldes ist derselbe wie bei einer direkten Ausweitung der Geldmenge durch die Zentralbank. Riesige Türme an Buchgeld werden auf den Spareinlagen aufgetürmt, die zunächst das umlaufende Geld entwerten und die früher oder später einmal zusammenbrechen müssen. Nebenbei profitieren die großen Geschäftsbanken neben dem Staat ganz massiv davon, daß sie als erste das frisch gedruckte Geld in die Hände bekommen. Mit diesem zusätzlichen (Luft-)Geld, können die Banken sehr billig auf Einkaufstour gehen und so immer mehr Unternehmen in ihr Eigentum bringen.
Dies liegt daran, daß die Ausweitung der ungedeckten Geldmenge nicht-neutral ist. Zwei Gedankenexperimente sollen dieses Prinzip verdeutlichen. Stellen Sie sich vor, über Nacht hätte sich die vorhandene Geldmenge verdoppelt. Jeder Bürger besitzt die doppelte Menge an Geld, aber ist er deswegen doppelt so reich? Die Antwort fällt negativ aus, da sich die Preise ebenso verdoppelt hätten. Der Effekt auf den Wohlstand wäre in diesem Beispiel Null, denn jeder Mensch besäße dieselbe Menge Güter wie am Vorabend. Nur die Kaufkraft jeder einzelnen Währungseinheit, z.B. eines Euro, hätte sich halbiert.
In der Realität verläuft dieser Prozeß jedoch schrittweise ab und führt dazu, daß einige Menschen auf Kosten anderer profitieren.
Manche Marktteilnehmer erhalten nämlich als Erste das frischgedruckte Geld und diese sogenannten Erstbezieher profitieren auf Kosten der Letztbezieher. Diese Umverteilung liegt darin begründet, daß die Erstbezieher mit dem frischen Geld die Waren noch zu den alten, niedrigen Preisen kaufen können. Denn die Verkäufer können zunächst unmöglich wissen, ob sich die Geldmenge ausgeweitet hat oder nicht. Die zusätzliche Nachfrage beginnt jedoch die Preise zu erhöhen, ohne daß an anderer Stelle die Preise sinken. Die zusätzliche Geldmenge sickert langsam durch die gesamte Wirtschaft und wer am Ende dieser Kette steht muß lange Zeit die höheren Preise bezahlen, ohne daß sein Einkommen gestiegen wäre. Zu den Letztbeziehern sind Menschen mit einem fixen Einkommen zu zählen, wie beispielsweise Rentner und Sozialhilfebezieher.
Bevor die Folgen und Nutznießer dieser Politik näher beleuchtet werden und wie diese ihr Vermögen gefährden, kommen wir noch einmal ausführlich auf die beiden zentralen Begriffe “Inflation” und “Deflation” zu sprechen.
Inflation und Deflation
Wie bereits erwähnt, versteht man heute unter dem Begriff “Inflation” gemeinhin den allgemeinen Anstieg des Preisniveaus. Dessen Veränderung wird Monat für Monat in der Inflationsrate ausgewertet. “Deflation” beschreibt hingegen den Prozeß eines Sinkens des allgemeinen Preisniveaus. So verstanden verdecken diese Definitionen den notwendigen Blick auf die Verursacher der Geldentwertung, die Zentralbanken. Mit “Inflation” sollte daher die Ausweitung der ungedeckten Geldmenge verstanden werden und unter Deflation das Zusammenschrumpfen der ungedeckten Geldmenge. Folgende Graphik soll diese grundlegende Unterscheidung verdeutlichen:
“Geld, Inflation und Deflation”
Geld, also jene Ware, die als allgemein akzeptiertes Tauschmittel die Kooperation der Menschen erleichtert. Auf das warengedeckte Geld kann die Zentralbank durch das Drucken von Papiergeld – fiat money – zusätzlich Geld in Umlauf bringen. Solange die ungedeckte Geldmenge wächst spricht man von Inflation. Wenn sich der Trend umkehrt, setzt die Deflation ein.
Die Inflation verursacht mit ein wenig zeitlicher Verzögerung immer den Anstieg des Preisniveaus. Sie ist Ursache, nicht Wirkung!
Cui bono? – Wer profitiert und fördert die Inflation?
Jedes Warengeld hat für den sich in Schulden stürzenden Geldverschwender einen höchst unangenehmen Nebeneffekt, seine Geldmenge ist stark begrenzt. Die Schuldentilgung muß daher mit Waren bezahlt werden und reduziert die Konsummöglichkeiten des Schuldners. Schließlich kann man einen Kuchen nicht gleichzeitig essen und aufbewahren!
Der österreichische Nobelpreisträger Friedrich
A. von Hayek warnte in aller Deutlichkeit vor dem direkten Zusammenhang von
Budgetdefiziten und Inflation in einem Artikel der New York Times im Jahre 1982:
“The only way you can finance a deficit is by inflation. You cannot raise this
amount by genuine borrowing. (...) A large government deficit is a certain way
to inflation.
(Die einzige Möglichkeit ein Budgetdefizit zu finanzieren, ist durch Inflation.
Man kann diese Summe nicht durch echte [d.h. durch reale Werte gedeckte]
Schuldenaufnahme aufbringen. (...) Ein großes Budgetdefizit ist ein sicherer
Weg zu Inflation.)
Das Papiergeld hat nämlich der Manipulierbarkeit des Geldes durch den Innehaber des Geldmonopols auf noch nie dagewesene Weise Tür und Tor geöffnet und stößt daher beim Geldausgeber Nummer 1, dem Staat, auf größte Gegenliebe. In früheren Zeiten konnten sich Herrscher nur unter großen Mühen von ihren Schulden befreien, die meist die Folge von Kriegen, in seltenen Ausnahmefällen auch von wohlfahrtsstaatlichen Exzessen, waren. Anstatt die Realschulden zurückzuzahlen, was eine drastische Konsumbeschränkung des Herrschers oder unruhestiftende Steuererhöhungen bedingt hätte, manipulierte der Herrscher das Geld. Entweder reduzierte er das Gewicht der Münze ein wenig, indem er den Rand abfeilte – das sogenannte “Clipping” – oder er mischte den Münzen ein minderwertiges und damit billigeres Metall unter. Sobald die Bevölkerung diesen Betrug realisierte, stiegen die Preise, die Kehrseite der Geldentwertung.
Heutzutage läuft dieser Prozeß viel einfacher ab. Da Papiergeld nicht mehr durch Gold gedeckt ist, kann sich der Staat ohne große Mühe seiner Schulden entledigen bzw. Kriege und Wohlfahrtsprogramme finanzieren. Hiezu wird die Notenbankpresse angeworfen. Die Produktion eines 100 Euro-Scheins kostet z.B. nur 6 Cents. Anders ausgedrückt, der Staat kann für minimale 6 Cents 100 Euro aus dem Nichts zaubern. Weder muß dieses Geld mit Gold oder einem anderen Gut gedeckt werden, noch gibt es irgendwelche Beschränkungen für diese “wundersame” Geldvermehrung.
Im Kern handelt es sich bei dieser “wundersamen” Geldvermehrung um eine tiefgreifende Manipulation des Geldes, die nichts anderes als eine großangelegte Enteignung der Sparer auf Kosten der Schuldner darstellt, wie der ehemalige Vorsitzende der amerikanischen Zentralbank FED, Alan Greenspan, es einmal kurz und prägnant formulierte: “Staatsverschuldung ist einfach ein Mechanismus für die Enteignung von Vermögen.”
In Kombination sind Staatsverschuldung und Papiergeld eine tödliche Zwillingsschwestern. Wohlstand und Freiheit sind gleichermaßen Opfer.
Ein Zwischenresümee: Papiergeld erleichtert es dem Schuldner, den realen Wert seiner Schulden zu reduzieren. Der Gläubiger wird daher betrogen, erhält er doch statt einer Ware einen wertlosen Papierzettel. Zugleich handelt es sich um eine subtile Besteuerung der Ersparnisse, die durch das fortwährende Drucken von Papiergeld an Wert verlieren.
Das Ende des Papiergeldes
Der Prozeß der Geldmengenausweitung läßt sich jedoch nicht ewig hinausziehen. Sobald die Bevölkerung bemerkt, daß nicht mehr einzelne Preise aufgrund von Nachfrageverschiebungen steigen, während andere aufgrund geringerer Nachfrage fallen, sondern daß der Wert des Geldes geringer ist als allgemein angenommen, setzt die Flucht aus dem Geld ein. Jeder möchte so schnell als nur irgendwie möglich sein Geld in Güter eintauschen, wohl wissend, daß jedwede weitere Verzögerung des Kaufes die Preise der Güter noch weiter ansteigen läßt. Eine Hyperinflation ist die Folge. Deshalb war das 20. Jahrhundert – das Jahrhundert der Zentralbanken – auch das Jahrhundert der Hyperinflationen.
Insgesamt 25 Mal zerstörte das Papiergeld bereits die Lebensgrundlage von Gesellschaften. Die bekannteste Hyperinflation ist jene Deutschlands im Jahre 1923. Die Ursache damals war die exorbitante Staatsverschuldung des Deutschen Reiches als Folge des 1. Weltkrieges, in dessen ersten Kriegstagen die Staaten reihenweise den Goldstandard verließen.
Eine wichtige Erkenntnis ist deswegen folgende Einsicht: Daher liegt es im Interesse des Staates und der Geschäftsbanken, dem normalen Bürger die Sicherheit des Finanzsystems solange wie nur irgendwie möglich vorzugaukeln. Die Aufrechterhaltung der Illusion von der Ungefährlichkeit, ja gar der Notwendigkeit des Papiergeldes für das Wirtschaftswachstum, wird so zur Chefsache.
Heute stehen viele Länder der Welt vor einem noch größeren Schuldenberg. Jahrzehntelang Schuldenpolitik, meist verursacht durch Ausformung unersättlicher Wohlfahrtsprogramme, ließen die Staatsverschuldung drastisch ansteigen. Um den Staat von der schwersten Bürde zu entlasten, überschwemmen die Zentral- und Geschäftsbanken weite Teile der Welt mit an sich wertlosem Papiergeld bzw. Staatsanleihen. Die Geldmenge in den USA weitete sich unter dem viel gelobten Alan Greenspan in einer noch nie dagewesenen Geschwindigkeit aus, um die “Kanonen & Butter”-Politik vieler amerikanischer Präsidenten zu finanzieren. Allen Unkenrufen zum Trotz haben nämlich die meisten Präsidenten seit Lyndon B. Johnson in den 1970ern den Sozialstaat massiv ausgebaut.
Die staatliche Verschuldung war und ist Haupttriebfeder der Geldmanipulation!
Wie jedes Pyramidenspiel muß das “Pyramidenspiel Papiergeld* eines Tages zusammenbrechen. Letztlich weil das Schuldgeld ein Luftschloß ist. Je länger allerdings ein Pyramidenspiel am Leben erhalten werden kann, desto dramatischer wird der unausweichliche Zusammenbruch. Und das Papiergeld-Pyramidenspiel treibt seit dem Zusammenbruch von Bretton Woods im Jahre 1973 sein ungezügeltes Dasein!
Zum Abschluß noch einige Beispiele für Hyperinflationen. Immer handelte es sich dabei um ungedecktes Papiergeld, dessen Bestimmung Voltaire mit folgenden prägnanten Werken schonungslos offenlegt:
Papiergeld kehrt früher oder später zu seinem inneren Wert zurück – Null.
1.) John Laws waghalsige Spekulation mit der “Compagnie de la Louisiane ou d´Occident” aus dem Jahre 1716 endete bereits 1720 mit dem totalen Zusammenbruch des durch nichts gedeckten Papiergelds “Livre”. Aus dieser Zeit stammt der Begriff des “Millionärs”, der zuvor aufgrund der geringen umlaufenden Geldmenge nicht benötigt wurde. Die Millionäre fanden sich allerdings genauso schnell wieder am harten Boden der Realität wieder wie sie in den (Schein-)Olymp des monetären Reichtums aufgestiegen waren.
2.) Die “Continental Curreny” aus der Zeit des amerikanischen Bürgerkrieges, ausgegeben 1775 war 1781 wertlos und wer 1790 noch welche besaß, konnte sie zu nur noch zu 1/40 ihres ursprünglichen Wertes gegen neue Dollar eintauschen. Nur rund 3% der “Continental Currency” wurden eingetauscht.
3.) Das Papiergeld aus der Zeit der französischen Revolution – die sogenannten Assignaten -, ausgegeben von 1790 bis 1796 besaß im Jahre 1797 nur noch 1/600 seines ursprünglichen Wertes. 1797 wurden sie schließlich für ungültig erklärt.
4.) Die Mark aus der Weimarer Republik wurde ausgegeben von 1919 bis 1924, zum Schluß hatte sie noch 1 Trillionstel ihres ursprünglichen Wertes. Der Wechselkurs Mark US-Dollar verschlechterte sich von 4,2:1 (1914) auf 420:1 (1922) auf 4.200.000.000.000 (= 4,2 Trillionen):1. Am Höhepunkt der Geldentwertung verlor die Mark innerhalb von 8 Tagen 90% an Wert. Das Papiergeld kehrte zu seinem wahren Wert “Null” zurück und wurde zum Heizen verwendet.
5. Im 20. Jahrhundert wurden u.a. Argentinien, Brasilien, Ungarn, Österreich, Peru, Rußland, Serbien, Angola, Zimbabwe,... Opfer einer Hyperinflation. Neben der ökonomischen Zerstörungskraft, entlud sich die aufgestaute Verzweiflung häufig in politischen Extremismen. Die Hyperinflation ging und hinterließ eine destabilisierte Gesellschaft.
Ein Ausblick
Das 20. Jahrhundert was das Jahrhundert des unfreien Geldes, das mehr noch als in jedem anderen Jahrhundert zum Spielball der politischen Mächtigen degenerierte. Gleichzeitig ist der intellektuelle Widerstand gegen dieses Machwerk der Unfreiheit kaum wahrzunehmen. Die Zentralbanken tun alles in ihrer Macht stehende, die Illusion, sie seien die stabilitätssichernden “Hüter der Währung”, weiter zu nähren. Seine Verwunderung über das passive Hinnehmen dieser Ungerechtigkeit und Unfreiheit, brachte Friedrich A. von Hayek in seinem bahnbrechenden Werk “Die Entnationalisierung des Geldes” zum Ausdruck: “Wenn man die Geschichte es Geldes studiert”, so Hayek, “kann man nicht umhin, sich darüber zu wundern, dass die Menschen den Regierungen so lange Zeit eine Macht anvertraut haben, die sie über 2000 Jahre hinweg in der Regel dazu gebrauchten, sie (die Untertanen) auszunützen und zu betrügen.”
Der Artikel wurde unter dem Titel “Krise. Wirtschaft. Freiheit.(Teil 2) Was ist eigentlich Geld?” http://de.liberty.li/magazine/?id=3657 veröffentlicht und findet meine volle Unterstützung. Autor ist Gregor Hochreiter, 1090 Wien
Who,
the hell, is
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Was
eben nur ein Ökonom erkennen kann und will, der gleichzeitig auch Philosoph
ist!
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