Goldene Zeiten kommen wieder

Von Prof. Dr. Dr. Wolfgang Berger

 

Die Wirklichkeit hat die herrschende Lehre der Ökonomie, der die meisten Politiker folgen, längst widerlegt. Nach Max Planck müssen die Vertreter einer widerlegten Lehrmeinung erst aussterben, bevor sich die Fachwelt umorientiert. Für die falschen Lehrmeinungen bezahlen weltweit eine Milliarde Arbeitslose mit ihrer Menschenwürde und in jeder Stunde dreitausend Menschen, die verhungern und verdursten, mit ihrem Leben.

Die Lösung ist einfach. Keine der etablierten politischen Parteien kennt sie. Irving Fisher (Amerikas bedeutendster Ökonom), John Maynard Keynes (der bekannteste Ökonom des 20. Jahrhunderts) und Albert Einstein (der größte Physiker des 20. Jahrhunderts) aber haben sie gewürdigt. Wir können die Marktwirtschaft ohne ökologischen oder sozialen Kollaps weiterentwickeln und mit einer „Fairconomy“ unsere Probleme lösen!

„Wer Silvio Gesell kennt, der braucht die übrigen Werke der Volkswirtschaftslehre nur als Kommentar zu lesen; und wer ihn nicht kennt, der sollte deren Lektüre unterlassen, denn er versteht doch nichts davon – genauso wenig wie die Verfasser der Werke“, hat Hans Bühler über den wichtigsten Geldtheoretiker aller Zeiten gesagt, der von 1862 bis 1930 gelebt hat und dem wir diese einfache Lösung verdanken.


Silvio Gesell

Dass Silvio Gesell, der Deutscher war, heute weitgehend unbekannt ist, hat er mit vielen anderen großen Geistern der Menschheits- geschichte gemeinsam, deren Bedeutung die Nachwelt erst lange nach ihrem Tod erkannt hat. Bis seine Gedanken Wirklichkeit geworden sind, wird die Welt nicht zur Ruhe kommen. Bis dahin aber kann jeder wählen – zwischen schweigender Mitschuld und mutiger Rede oder Tat. Mit diesem Beitrag möchte ich Ihnen eine Entscheidungshilfe anbieten.

 

  

Die Phönizier haben das Geld erfunden, nur leider viel zu wenig

„Nationalökonomie ist, wenn die Leute sich wundern, dass sie kein Geld haben“, lästert Kurt Tucholsky und ergänzt: „Das hat mehrere Gründe. Die feinsten sind die wissenschaftlichen.“ „Am Golde hängt, zum Golde drängt doch alles“, sagt Goethe und meint natürlich ebenfalls Geld, denn zu seiner Zeit hat es Gold-Währungen gegeben. Wenn wir die Geschichte studieren, ist es erstaunlich, dass die Zeiten großer kultureller Blüte und eines breiten Wohlstands in der Bevölkerung Zeiten waren, in denen nicht Edelmetalle als Zahlungsmittel dienten, denn davon gibt es tatsächlich zu wenig. In den „Goldenen Zeiten“ sind aus diesem wunderschönen Metall Schmuckstücke und Gebrauchsgegenstände hergestellt worden. Als Zahlungsmittel aber hat etwas gedient, das wir heute „fließendes Geld“ nennen.

Ein altes Sprichwörter verrät uns, worauf es ankommt: „Taler, Taler, du musst wandern, von der einen Hand zu andern“, heißt es, seit 1517 der Joachimsthaler Groschen das gängige Zahlungsmittel in Mitteleuropa ist – eine Münze aus dem Silberbergbau von St. Joachimsthal im böhmischen Erzgebirge, die kurz „Thaler“ genannt wird.

Weil der Materialwert der Münzen seinem Zahlungswert entspricht, wandert er nicht, verbreitet dadurch große Not und die Leute erinnern sich an bessere Zeiten. Sie wissen, dass der Taler wandern muss, damit diese Zeiten wiederkehren, aber sie verstehen nicht, was ihm fehlt, dass er das partout nicht tut. Bis 1907 gilt der preußische Taler in Deutschland. Danach wird alles Edelmetall eingeschmolzen, um die Aufrüstung des Kaiserreichs zu finanzieren. „Der Rubel muss rollen“, sagt ein anderes Sprichwort und drückt damit aus, dass das Geld und das Rad viel gemeinsam haben. Beides sind Erfindungen, die am Anfang der ersten großen Zivilisationen stehen. Heute läuft das Rad sichtbar an Fahrzeugen und unsichtbar in Motoren, Maschinen und Apparaten. Ein Rad erfüllt seine Funktion nur, wenn es sich dreht – nach Möglichkeit ohne Reibungsverlust. Deshalb sind Achse und Nabe immer weiter entwickelt worden. Kugellager und Walzenlager sind erfunden und immer bessere Schmiermittel eingesetzt worden. Die modernen Naben mit Dauerschmierung müssen kaum noch gewartet werden.

Auch Geld zirkuliert unsichtbar wie das Rad in einer Maschine und erfüllt seine Funktion nur, wenn es reibungslos umläuft – also fließt. Auch beim Geld sollte die „Nabe“ dauergeschmiert sein. Seit Jahrhunderten hat es immer wieder Wirtschaftskrisen gegeben. Immer ist es die Geldzirkulation gewesen, die nicht funktioniert hat – in der „Nabe“ hat es geharzt. Wenn das Geld nicht fließt, fehlt es dort, wo es gebraucht wird – bei denen die arbeiten und konsumieren wollen. Dort ist es dann zu wenig. Angesammelt hat es sich dafür in den großen „Finanzstauseen“ von Investmentfonds, die damit in einem globalen Monopoly die Preise von Aktien, Grundstücken und Rohstoffen in die Höhe treiben.

 

 

 

Fließendes Geld schafft tausendjährigen Wohlstand


Am Unterlauf von Euphrat und Tigris – der Wiege unserer Zivilisation im heutigen Irak – erfinden die Sumerer vor 8.000 Jahren die Schrift und das Metallhandwerk und verwandeln ein trockenes Tal in ein landwirtschaftliches Paradies. Ihre Hauptstadt Babylon gilt später als die schönste Stadt der Welt, mit einem schier unermesslichen Reichtum. Nach dem Urteil des Propheten Jesaja ist ihr Reich „das schönste und herrlichste unter den Königreichen“.

Der griechische Tourist und Schriftsteller Herodot besucht Babylon im 5. Jahrhundert v. Chr. und beschreibt die Stadt überschwänglich: Sie hat die Größe des heutigen Paris. Die Stadtmauern sind gewaltig hoch und oben auf den Mauern fahren Wagen mit sechs Pferden. Mit ihren prachtvollen Tempeln, weitläufigen, künstlich angelegten Kanälen und hängenden Gärten ist sie für Jahrtausende – Jahrtausende! – die schönste und reichste Stadt der Welt.

Das Geheimnis dieser langen Epoche von Wohlstand, Frieden und kultureller Blüte ist fließendes Geld: Die Sumerer haben den Schekel erfunden (Israel benutzt dieses Wort heute für seine Währung). „Sche“ bedeutet Weizen und „Kel“ ist ein Maß für 161⁄2 Gramm – soviel wie eine Kelle fasst. Mit Münzen im Wert eines Schekels Weizen werden die schönen Priesterinnen im Tempel der Fruchtbarkeitsgöttin Astarte bezahlt – für den heiligen Geschlechts-verkehr. So brauchten die Männer den Weizen nicht in den Tempel bringen.

Wenn der Weizen alt ist und verdirbt, werden die Schekel auch alt und verderben. Und wenn er alle ist, sind die Schekel wertlos, denn für die nächste Ernte werden neue geprägt. Der Schekel vereinfacht den Tausch. Aufzubewahren ist er nicht besser und nicht schlechter als Weizen. Wir können auch sagen, dass die Währung durch Weizen gedeckt ist. Aufheben lohnt sich nicht. Also geben die Leute sie aus und leben gut. Das ist die Quelle ihres Reichtums.

So weit bekannt, geht dieses blühende Reich unter, als seine Bewohner bequem und leichtsinnig geworden sind. Sie schützen sich nicht mehr und werden von Feinden erobert, die glauben, Reichtum lasse sich rauben und trotzdem erhalten. Die Quelle dieses Reichtums aber – fließendes Geld – lassen sie versiegen, und so bleiben letztendlich nur Ruinen.

 

 

 

Fließendes Geld verwandelt arme Fischerdörfer in reiche Hansestädte


Eineinhalb Jahrtausende nach dem Zerfall des Römischen Reiches wird Europa von einer geldpolitischen Innovation aus dem mittelalterlichen „Winterschlaf“ erweckt: Der Erzbischof von Magdeburg und die Stauferkönige wissen nicht, wie sie ihren Haushalt finanzieren sollen. Sie führen die „Brakteaten“ ein – aus dünnem Blech einseitig geprägte Münzen, die unter dem Bild des Fürsten oder Königs das Jahr zeigen, in dem sie gültig sind. Diese Münzen werden jährlich „verrufen“ – für ungültig erklärt. Mit einem „Abschlag“ von 20 Prozent können dann 100 alte Münzen gegen 80 neue, gültige Münzen umgetauscht werden. Mit dem Abschlag finanzieren die Herrscher den Staatshaushalt.

 

Und weil das so einfach ist, machen die meisten europäischen Monarchien zwischen dem 12. und 15. Jahrhundert es ihnen nach. Was die mittelalterliche Hochkultur mit fließendem Geld erschafft, lässt uns heute nur noch staunen: Die vielen wunderschönen mittelalterlichen Städte werden gegründet oder prachtvoll ausgebaut: Colmar, Tübingen, Rothenburg, Regensburg, Passau, Prag, Görlitz, Quedlinburg, Xanten, Antwerpen, Luzern, Zürich, Graz, Salzburg und all die unzähligen malerischen Fachwerkstädte überall in Mitteleuropa. Fast alle großen Dome und Kathedralen Europas werden in dieser Zeit erbaut – unter anderem die in Köln, Fulda, Straßburg und Freiburg. Und die Hanse verwandelt ärmliche Fischerhäfen rund um die Ostsee in Oasen blühenden Reichtums: die Hansestädte.

Die Fünftagewoche wird fast überall eingeführt – ganz ohne Gewerkschaften: außer dem Sonntag ist der „blaue Montag“ arbeitsfrei. Teilweise gibt es sogar eine Vier-Tage-Woche und die wöchentliche Arbeitszeit beträgt vielfach nur 30 Stunden. Der Kulturhistoriker Egon Friedell beschreibt die üppigen Festgelage des einfachen Volkes mit Gauklern und Geschichtenerzählern, Musikanten und Troubadouren – da läuft jedem von uns heute das Wasser im Munde zusammen. Es ist eine Zeit, die überquillt vor triefendem Hochgenuss.

Was ist das Geheimnis dieser wirtschaftlichen und kulturellen Blüte? Weil am Ende eines Jahres auf die Brakteaten eine 20prozentige Steuer zu zahlen ist, investieren
die Leute ihr Geld lieber in großartige Bauwerke und Kunst oder sie verjubeln es und genießen ihr Leben.

Die Blütezeit dieses Hochmittelalters – von etwa 1150 bis 1450 – wird von der finsteren Epoche des Mittelalters abgelöst, nachdem die Herrscher gierig geworden sind. Den Abschlag von 20 Prozent haben sie auf bis zu 40 Prozent erhöht und den Zeitraum von einem Jahr, nachdem die Münzen jeweils „verrufen“ werden, auf ein halbes Jahr verkürzt.

Das zerstört das Vertrauen der Bevölkerung in das Geld und weckt den Ruf nach Gold, das von sich aus werthaltig ist – und deshalb nicht fließen muss. Edelmetallwährungen
werden dann auch eingeführt. Das beendet die wirtschaftliche und kulturelle Blütezeit. Stattdessen werden Hexen grausam verbrannt und Ketzer gemartert, gerädert und verstümmelt.

 

 

 

Fließendes Geld bringt Rettung in der Weltwirtschaftskrise


Die große Wirtschaftskrise, die 1929 beginnt, wird durch einen geldpolitischen Fehler der amerikanischen Notenbank ausgelöst. Die Arbeitslosigkeit grassiert wie die Pest und es gibt nichts mehr zu kaufen. In Wörgl, einer Kleinstadt in Tirol, ist jeder zweite Erwachsene arbeitslos. Bürgermeister Michael Unterguggenberger fragt sich, warum Leute, die arbeiten wollen und können das nicht tun sollen, nur weil kein Geld da ist, um sie zu bezahlen. In der „Natürlichen Wirtschaftsordnung“ von Silvio Gesell hat er gelesen, was er tun kann: Er gibt „Arbeitswertscheine“ aus, die auf den gleichen Betrag in der Landeswährung lauten. Die Scheine müssen an jedem Monatsende mit einer Wertmarke als Nutzungsgebühr beklebt werden. Mit den ersten Scheinen, die er ausgibt, bezahlt er die Arbeiter, die die Kanalisation bauen. Um die Gebühr zu sparen, geben sie die Scheine schnell beim Bäcker aus und kaufen Brot. Der Bäcker will die Gebühr auch nicht zahlen und gibt sie sofort an den Tischler weiter, der seine Fenster erneuert. Der bringt sie zum Metzger für Wurst und der zum Schmied für ein neues Hoftor. Vor lauter Sparsamkeit zahlen die Bürger die Gemeindesteuer sogar im Voraus. Damit lässt der Bürgermeister die Straßen pflastern und beleuchten, einen Kindergarten bauen und die Schule modernisieren. Das löst einen neuen Kreislauf aus.

Wörgl erreicht nahezu Vollbeschäftigung und bekommt eine ordentliche Infrastruktur. Das Experiment ist so erfolgreich, dass es Nachahmer in anderen Gemeinden findet, so auch in Schwanenkirchen/Bayern und in Hawarden/Iowa, U.S.A. Der französische Ministerpräsident Edouard Daladier besucht Wörgl und viele Orte in mehreren Ländern
bereiten ähnliche Projekte vor.

Die Finanzexperten allerdings erklären diese „Strohfeuer“ für groben Unfug und die Zentralbanken setzen Verbote durch. Der Bürgermeister von Wörgl geht vor Gericht. Vor dem obersten Verwaltungsgerichtshof verliert er und wird entlassen. Die Scheine sind bis dahin im Durchschnitt insgesamt 416 Mal zirkuliert und haben Werte erzeugt, die heute 41⁄2 Millionen Euro entsprechen. Nach dem Verbot kehrt Wörgl zur Landeswährung zurück, zu hoher Arbeitslosigkeit und zu schrecklichem sozialen Elend.

 

 

Vortrag von Prof. Dr. Dr. Berger

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Milliarden Menschen leben einfach so dahin und haben keine Ahnung

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