Die Insel der Schiffbrüchigen
1. Schiffbrüchige finden eine Insel
Eine
Explosion hatte ihr Schiff zerrissen. Ein jeder versuchte noch, sich an einen
schwimmenden Teil zu festzuhalten. Als alles vorüber war, blieben nur noch fünf
Leute übrig, fünf, die sich auf einem Rettungsfloß befanden, das von den
Wellen wegtrieben wurde. Von den anderen Opfern der Katastrophe war nichts mehr
zu sehen.
Seit
vielen Stunden schon schweifte ihr Blick über den Horizont: Würde ein
durchreisendes Schiff sie sehen? Würde ihr Rettungsfloß auf irgendeiner
freundlichen Küste stranden?
Plötzlich
ruft jemand: "Land in Sicht! Schaut!
Genau in der Richtung, in die uns das Meer treibt."
Als
sie tatsächlich auf ein Ufer zutreiben, herrscht bei den Schiffbrüchigen große
Freude. Es handelt sich um fünf Europäer:
Franz
ist ein großer, starker Zimmermann; er stieß als erster den Schrei
"Land!" aus.
Paul,
ein Landwirt. Man kann ihn im Vordergrund, links im Bild, sehen; er kniet und
mit einer Hand stützt er sich auf dem Rettungsfloß, mit der anderen hält er
sich am Mast des Floßes fest.
Jakob,
ein Viehzüchter. Er trägt eine gestreifte Hose, kniet und sieht in die
Richtung des Lands.
Heinrich
ist ein Handelsgärtner. Er ist korpulent und sitzt auf einem Koffer, der den
Schiffbruch überstanden hat.
Thomas ist ein Schürfer und Mineraloge; er steht hinter dem Zimmermann und hält eine Hand auf dessen Schulter.
2. Eine Insel, wie für sie geschaffen
Wieder
auf festem Boden zu stehen, bedeutet für die Männer die Rückkehr ins Leben.
Nachdem
sie sich getrocknet und aufgewärmt haben, beeilen sie sich, die Insel zu
erkunden, auf die sie weit weg von jeder Zivilisation geraten sind. Sie nennen
sie die Insel der Schiffbrüchigen.
Eine rasche, erste Besichtigung fällt zu ihrer Zufriedenheit aus. Die Insel ist kein unfruchtbares Land. Sie sind zur Zeit die einzigen Menschen auf der Insel. Jedoch müssen sie annehmen, daß vor ihnen bereits andere Menschen einmal da waren, wenn man in Erwägung zieht, dass hier und da noch halbwilde Herden zu sehen sind.
Der
Viehzüchter Jakob ist der Ansicht, dass er die Tiere zähmen und aus ihnen
Nutzen ziehen könne.
Paul
denkt, dass der Boden der Insel zum größten Teil für die Landwirtschaft sehr
geeignet sei.
Heinrich
hat auch Obstbäume gefunden, von denen er sich eine gute Ernte verspricht.
Franz
bemerkt vor allem weite Waldbereiche, die reich an allerlei Holz sind; es wird
ein Kinderspiel sein, die Bäume zu fällen und Schutzhütten für eine kleine
Siedlung zu bauen.
Was
den Schürfer Thomas betrifft, interessierte er sich für den felsigsten Teil
der Insel. Er stellt mehrere Anzeichen fest, die darauf hinweisen, dass sich im
Boden viele Minerale finden lassen. Trotz des Mangels an Handwerkzeug denkt
Thomas genügend Initiative und Schlauheit zu besitzen, um Erz in nützliches
Metall zu verwandeln.
Ein
jeder wird sich also seiner Lieblingsbeschäftigung widmen können. Alle sind
sich darin einig, dass sie ihre Schutzengel für den relativ günstigen Ausgang
des schlimmen Unglücks preisen müssen.
3. Die echten Reichtümer
Und
so machen sich unsere Männer an die Arbeit. Der Zimmermann kümmert sich um die
Häuser und die Möbel. Am Anfang müssen sie sich mit primitiver Nahrung
abfinden. Nachdem die Felder jedoch angepflanzt wurden kann der Pflüger bald
ernten.
Während
eine Jahreszeit der anderen folgt, wird langsam Reichtum auf der Insel
geschaffen. Ihr Reichtum besteht jedoch nicht aus Gold oder aus Banknoten,
sondern aus wertvoller Nahrung, aus Kleidung, aus Unterkunft und aus allem, was
ihrem Bedarf entspricht.
Das
Leben ist nicht immer so einfach, wie sie es wünschten. Es fehlt ihnen vieles,
an was sie sich vor dem Schiffbruch gewohnt hatten. Das Schicksal hätte ihnen
aber was schlimmeres zufügen können.
Übrigens
haben sie in ihrer Heimat schon eine Krisenzeit durchgemacht. Sie erinnern sich
an leere Mägen, während die Geschäfte ein paar Schritte weiter voll mit Essen
waren. Auf der Insel der Schiffbrüchigen müssen sie nicht zusehen wie alles,
was sie benötigen, vor ihren Augen unerreichbar bleibt. Zudem sind Steuern hier
unbekannt und das Auftauchen eines Gerichtsvollziehers ist nicht zu befürchten.
Wenn
die Arbeit manchmal auch schwer ist, hat man wenigstens das Recht, die Früchte
der Arbeit selbst zu genießen.
Alles in allem bewirtschaften die fünf Männer die Insel, preisen Gott dafür und hoffen eines Tages ihre Verwandten und Bekannten gesund und lebendig wiederzusehen.
4. Ein bedeutender Zwischenfall
Unsere
Männer versammeln sich oft, um sich über ihre Arbeit zu unterhalten. In diesem
sehr vereinfachten Wirtschaftssystem, das sie betreiben, beschäftigt sie eine
Tatsache sehr: sie haben kein Zahlungsmittel. Der Tauschhandel, der direkte
Austausch zwischen Erzeugnissen, hat seine Nachteile. Die Produkte können nicht
immer zur gleichen Zeit ausgetauscht werden; das im Winter dem Landwirt
gelieferte Holz zum Beispiel kann erst sechs Monate später in Gemüse zurückbezahlt
werden.
Manchmal
sind es Produkte, die die anderen Männer zu verschiedenen Jahreszeiten
erzeugen, austauschen möchten.
Das
alles kompliziert die Geschäfte. Wäre Geld im Umlauf, so würde jeder seine
Ware den anderen für Geld verkaufen. Mit dem erhaltenen Geld würde er den
anderen abkaufen können, was er will, wann er will und wann immer die Waren
verfügbar sind.
Alle
fünf sind sich einig, die Bequemlichkeit eines Geldsystems anzuerkennen, Aber
keiner weiß, wie er solch ein System festsetzen könnte. Sie haben es gelernt,
den wahren Reichtum zu produzieren. Doch sie haben keine Ahnung, wie man Geld,
das Symbol des Reichtums, herstellen kann.
Sie kennen den Ursprung des Geldes nicht, und wissen nicht, womit sie anfangen sollen, wenn keines vorhanden ist; übrigens haben sie beschlossen, welches zu haben... Manche gelehrten Leute waren wahrscheinlich genauso verlegen wie sie; jede Regierung befand sich zehn Jahre vor dem letzten Weltkrieg in derselben Situation. Nur das Geld fehlte den Ländern und die Regierungen war aufgrund dieses Problems handlungsunfähig.
5. Ankunft eines anderen Schiffbrüchigen
Eines
Abends. als die Männer am Strand sitzen und dieses Problem zum hundersten Mal
zu lösen versuchen, sehen sie plötzlich eine Schaluppe näherkommen, die nur
von einem Mann geführt wird.
Man
beeilt sich, dem Ankömmling zu helfen, ihm die erste Hilfe anzubieten und mit
ihm zu sprechen, Er spricht französisch. Sie erfahren, dass er ein Europäer
und der einzige Überlebende eines Schiffbruchs ist. Sein Name ist Martin.
Da
sie froh sind, einen zusätzlichen Kameraden zu haben, heißen ihn unsere fünf
Männer herzlich willkommen und führen ihn in der Siedlung herum.
"Obwohl
wir hier weit weg vom Rest der Welt sind, sagen sie, sind wir nicht allzusehr zu
bemitleiden. Die Erde ist fruchtbar; der Wald auch. Nur eines fehlt uns: wir
haben keine Zahlungsmittel, das uns den Austausch der Produkte vereinfachen, würde.
Preisen
Sie den Zufall, der mich hierhergeführt hat, antwortet Martin. Das Geld ist
kein Geheimnis für mich. Ich bin ein Bankier und kann Ihnen in geringer Zeit
das Währungssystems festlegen, das Sie befriedigen wird."
Ein
Bankier!... Ein Bankier!... Ein vom Himmel abgestiegener Engel hätte nicht mehr
Ehrerbietung erweckt.
Ist man es nicht gewohnt, sich in einem zivilisierten Land, vor den Bankiers zu verbeugen, die Geldflüsse kontrollieren?
6. Der Gott der Zivilisation
“—
Herr Martin, da sie Bankier sind, werden Sie auf dieser Insel nicht arbeiten.
Sie werden sich nur mit unserem Geld beschäftigen.
—
Ich werde meine Aufgabe, wie jeder Bankier, erfüllen: ich hoffe damit den
gemeinschaftlichen Wohlstand zu gestalten.
—
Herr Martin wir Ihnen ein würdiges Haus bauen. Können wir Sie inzwischen in
dem Gebäude unterbringen, das wir für unsere öffentlichen Versammlungen
benutzen?
—
Ich bin damit einverstanden, meine Freunde. Laden wir aber zuerst die Sachen,
die ich von, Schiffbruch retten konnte, aus der Schaluppe aus: eine kleine
Presse, Papier und Werkzeug, und hauptsächlich ein kleines Fass, mit dem Sie
mit großer Sorgfalt umgehen werden.”
Alles
wird ausgeladen. Das kleine Fass macht unsere kleine Mannschaft sehr neugierig.
“—
Dieses Fass, sagt Martin, enthält den wertvollsten Schatz. Es ist mit Gold gefüllt!”
Voll
mit Gold! Das bringt unsere fünf Männer fast um den Verstand. Der Gott der
Zivilisation war in die Insel der Schiffbrüchigen eingedrungen. Der gelbe Gott,
der immer versteckt ist, aber eine schreckliche Macht besitzt, kann durch sein
Vorhandensein, seinen Mangel oder seine geringsten Launen über das Leben von
hundert Nationen entscheiden.
“—
Gold! Herr Martin, Sie sind wirklich ein großer Bankier! Nehmen Sie unsere
Huldigungen und unsere Treue an.
— Gold für ein ganzes Erdteil, meine Freunde. Das ist jedoch kein Gold, das im Umlauf sein wird. Es muss versteckt werden. Gold ist die Seele vom echten Geld. Die Seele muss verborgen bleiben. ich werde auch das alles erklären, wenn ich Ihnen das erste Geld geben werde.”
7. Eine zeugenlose Beerdigung
Bevor
sie sich für die Nacht verabschieden, stellt ihnen Martin eine Letzte Frage:
“—
Wieviel Geld würden Sie für den Anfang brauchen, damit die Geschäfte gut in
Gang kommen?”
Sie
sehen sich gegenseitig an dann fragen sie Martin nach seiner Meinung. Nachdem
sie die Vorschläge des gutwilligen Bankiers gehört haben, denken sie, dass 300
DM pro Person ausreichen.
Die
Männer ziehen sich zurück, wechseln einige gerührte Gedanken, gehen spät zu
Bett und schlafen erst gegen Morgen ein, nachdem sie lange mit offenen Augen von
Gold geträumt haben.
Martin
aber verliert keine Zeit. Er vergisst seine Müdigkeit, um nur an seine Zukunft
als Bankier zu denken. In der Morgendämmerung gräbt er ein Loch, in das er das
Fass rollt. Er bedeckt es sorgfältig mit Erde und Gras. Er pflanzt sogar einen
kleinen Busch an dieselbe Stelle, um auch ganz bestimmt keine Spur zu
hinterlassen.
Dann
bringt er seine kleine Presse in Gang, um Banknoten von je 10 DM zu drucken.
Beim Anblick der von seiner Presse gedruckten Banknoten denkt er für sich
selbst:
“—
Wie einfach ist es doch Banknoten herzustellen! Sie ziehen ihren Wert aus den
Produkten, die man mit ihnen kaufen kann. Ohne Produkte waren die Banknoten
wertlos. Meine fünf neuen Kunden denken jedoch nicht daran. Sie glauben, dass
das Gold das Geld garantiert. Sie liegen wegen ihrer Unwissenheit in meiner
Macht.”
An dem selben Abend kommen die fünf Freunde laufend bei Martin an.
8. Wem gehört das neue Geld?
Fünf
Banknotenstöße lagen auf dem Tisch.
“—
Bevor ich Ihnen dieses Geld verteile, sagt der Bankier, müssen wir uns
verstehen.
Das
Geld hängt von Gold ab. Das in meiner Beute ruhende Gold gehört mir.
Infolgedessen gehört das Geld mir... Ach! Sie sollen nicht traurig sein! Ich
werde Ihnen dieses Geld vorstrecken und Sie können es benützen wie es ihnen
beliebt. Inzwischen werde ich Sie nur mit Zinsen belasten. Da das Geld ein rares
Produkt auf dieser Insel ist, weil es überhaupt keines gibt, glaube ich, es ist
angemessen, wenn ich von Ihnen einen geringen Zins von nur 8% verlange.
—
Sie sind in der Tat sehr großzügig, Herr Martin.
—
Einen letzten Punkt noch, meine Freunde. Geschäft ist Geschäft, auch zwischen
großen Freunden. Bevor Sie Ihr Geld bekommen, wird ein jeder von Ihnen ein
Dokument unterschreiben; damit verpflichten Sie sich, Kapital und Zinsen zurückzuzahlen,
bei Strafe eine Beschlagnahme Ihres Eigentums durch mich. Oh! Eine einfache
Garantie. Ich will überhaupt nicht an Ihr Eigentum heran, ich begnüge mich mit
dem Geld. Ich bin sicher, dass Sie Ihre Güter behalten und mir das Geld zurückerstatten
werden.
—
Sie haben einen guten Menschenverstand, Herr Martin. Wir werden mit verstärkten
Kräften an die Arbeit gehen and alles zurückzahlen.
—
Gut. Gestatten Sie mir einen Besuch, jedesmal, wenn Sie ein Problem haben. Der
Bankier ist der beste Freund der Menschen... So, hier sind 300 DM für einen
jeden.”
Hiermit kehren unsere fünf Freunde hocherfreut zurück und ihre Hände und Träume sind mit Geld gefüllt.
9. Ein arithmetisches Problem
Martins
Geld wurde auf der Insel in Umlauf gesetzt. Die Austausche wurden zahlreicher
und einfacher. Alle freuen sich und begrüßen Martin mit Respekt und
Dankbarkeit.
Dennoch
ist der Schürfer besorgt. Seine Produkte befinden sich noch unter der Erde. Er
besitzt nur noch einige Mark. Wie soll er dem Bankier das Geld bei Fälligkeit
zurückerstatten?
Nachdem
er sich lange den Kopf über sein eigenes Problem zerbrochen hat, packt Thomas
es von der sozialen Seite an:
“—
Wenn ich die gesamte Bevölkerung der Insel betrachte, denkt er, sind wir in der
Lage, unseren Verpflichtungen nachzukommen? Martin hat eine Gesamtsumme von 1500
DM gedruckt. Im ganzen verlangt er von uns 1620 DM. Wenn wir ihm auch alles sich
auf der Insel befindliches Geld bringen würden, wären das nur 1500 DM und
nicht 1620 DM. Niemand hat die übrigen 120 DM gedruckt. Wir erzeugen Produkte,
kein Geld. Martin kann also die ganze Insel in seinen Besitz bringen, weil wir
nicht alle das Kapital und die Zinsen zurückerstatten können.
Wenn
die, für die es möglich ist, das Geld zurückzahlen, ohne sich um die anderen
zu kümmern, werden einige sofort zu Fall kommen, andere werden überleben. Aber
die anderen werden auch drankommen und der Bankier wird alles bekommen. Es ist
besser, wenn wir uns sofort einigen und die Angelegenheit auf eine soziale Weise
regeln.”
Thomas hat keine Mühe, die anderen davon zu überzeugen, dass Martin sie betrogen hat. Sie kommen zu dem Schluß, dass sie sich bei dem Bankier treffen müssen.
10. Das Entgegenkommen des Bankiers
Martin
errät ihre Gedanken, lässt sich aber nichts anmerken. Der impulsive Franz äussert
sich:
“—
Wie können wir Ihnen 1620 DM bringen, wenn es nur 1500 DM auf der ganzen Insel
gibt?
—
Das nennt man den Zins, meine guten Freunde. Hat sich Ihre Produktion nicht erhöht?
—
Doch, aber das Geld hat sich nicht vermehrt. Und Sie verlangen ja gerade das
Geld, und keine Produkte. Sie allein können Geld herstellen. Aber Sie drucken
nur 1500 DM und verlangen von uns 1620 DM. Das ist unmöglich!
—
Warten Sie doch, meine Freunde! Die Bankiers fügen sich immer den Umstanden, um
den Kunden entgegenzukommen... Ich verlange nur die Zinsen von Ihnen. Nur 120
DM. Sie werden das Kapital weiterbehalten.
—
Sie erlassen uns unsere Schuld?
—
Nein. Leider erlässt ein Bankier nie eine Schuld. Sie bleiben mir das ganze
Ihnen ausgeliehene Geld schuldig. Sie zahlen mir jedes Jahr nur die Zinsen, ich
werde Sie nicht zur Rückerstattung des Kapitals drängen. Einige unter Ihnen
werden vielleicht nicht mal die Zinsen zahlen können, weil das Geld von einem
zum anderen geht. Richten sie sich doch zu einer Nation ein und kommen Sie über
ein Kollektionssystem überein. Das nennt man besteuern. Sie können die, die
mehr Geld haben, mit einer größeren Steuer belegen. Sofern Sie mir den
Gesamtbetrag der Zinsen geben, bin ich zufrieden und Ihrer Nation wird es gut
gehen.”
Unsere fünf Freunde ziehen sich fast beruhigt aber nachdenklich zurück.
11. Martin Ekstase
Martin
ist allein. Er denkt in Ruhe nach und zieht den folgenden Schluss: “Meine
Geschäfte laufen gut. Gute Arbeiter, diese Männer, aber unwissend. Ihre
Unwissenheit und ihre Leichtgläubigkeit bilden meine Stärke. Sie wollten Geld,
ich habe sie betrogen. Oh! Großer Bankier, ich fühle, wie dein Genie von mir
Besitz ergreift. Du hast es ja gesagt, edler Meister: «Man überlasse mir die
Kontrolle des Geldes einer Nation und ich lache diejenigen aus, die die Gesetze
machen.» Ich bin der Herrscher der Insel der Schiffbrüchigen, weil ich das Währungssystem
kontrolliere.
Ich
könnte ein Universum regieren. Was ich hier tue, könnte ich, Martin, auf der
ganzen Welt tun. Wenn ich eines Tages von dieser Insel wegkommen sollte, weiß
ich, wie ich die Welt — ohne einen Zepter zu halten — regieren kann.
So setzt sich die ganze Struktur des Bankssystems in Martins erfreuten Geist fest.
12. Krise wegen des teuren Lebens
Die
Situation wird jedoch auf der Insel der Schiffbrüchigen von Tag zu Tag
schlimmer. Die Produktivität kann noch so sehr steigen, es wird immer weniger
ausgetauscht. Martin zieht seine Zinsen regelmäßig an sich. Er muss daran
denken. Geld für sich zu sparen. Das Geld läuft schlecht um.
Diejenigen,
die die meisten Steuer zahlen, schimpfen auf die anderen und treiben zur Entschädigung
ihre Preise in die Höhe. Die ärmeren. die keine Steuer bezahlen, schimpfen auf
die hohen Lebenskosten und kaufen weniger.
Die
Stimmung sinkt, die Lebensfreude vergeht. Man empfindet keine Freude mehr an der
Arbeit. Wozu auch? Die Produkte verkaufen sich schlecht; werden sie verkauft, müssen
Steuern an Martin abgegeben werden. Man enthält sich. Es ist die Zeit der
Krise. Jeder beschuldigt seinen Nachbarn, nicht genügend Tugenden zu haben und
des teuren Lebens schuldig zu sein.
Eines
Tages denkt Heinrich in seinem Obstgarten über die Lage nach und findet, dass
der "Fortschritt", der durch das Währungssystem des Bankiers gebracht
wurde, alles auf der Insel verdorben hat. Sicherlich haben die fünf Männer
ihre Fehler; aber Martins System enthält das Schlechteste, was die Menschheit
verbirgt.
Heinrich
entschließt sich, seine Kumpels zu überzeugen und zu vereinen. Er fängt bei
Jakob an, wo er sein Ziel rasch erreicht: "Eh! sagt Jakob, ich bin kein
gelernter Mann, aber ich fühle es schon lange: das System dieses Bankiers ist
fauler als der Misthaufen meines Stalls vom letzten Jahr."
Er gewinnt sie alle, einer nach dem anderen und eine weitere Unterredung mit Martin wird abgemacht.
13. Beim Kettenschmied
Beim
Bankier kommt es zu einem heftigen Streit.
“—
Dieses Geld ist etwas Seltenes auf dieser Insel, Herr Martin, weil Sie es uns
wegnehmen. Wir zahlen und zahlen und sind Ihnen noch ebenso schuldig wie am
Anfang. Wir arbeiten, die Erde ist dadurch sehr schön geworden, aber unsere
Lage ist schlimmer als vor Ihrer Ankunft. Schulden! Schulden! Schulden bis über
den Kopf!
—
Aber, aber meine Freunde! Denken Sie doch mal nach. Ihre Erde ist nur dank
meiner Anwesenheit so schön. Ein gutes Währungssystem ist der beste
Besitzstand eines Landes. Um daraus Nutzen zu ziehen, muss man zunächst
Vertrauen zum Bankier haben. Kommen Sie zu mir wie zu einem Vater. Sie wollen
mehr Geld! Gut. Mein Gold ist sehr viel mehr als 300 DM... Ich werde Ihr neues
Eigentum mit einer Hypothek belasten und Ihnen sofort weitere 1500 DM leihen.
—
Zweimal mehr Schulden ? Jedes Jahr zweimal soviel Zinsen bezahlen, ohne aufzuhören
?
—
Ja, aber ich werde Ihnen noch mehr leihen, solange Sie Ihre Bodenschätze
entwickeln; und Sie werden mir immer nur die Zinsen zurückzahlen. Sie werden
die Geldaufnahmen anhäufen, was Sie die unkündbare Schuld nennen werden
Schuld, die jedes Jahr größer sein wird. Aber Ihr Gehalt wird auch höher
sein. Dank meiner Darlehensschulden wird sich Ihr Land entwickeln.
—
Das bedeutet, je mehr wir erzeugen werden, desto mehr wird unsere Gesamtschuld
steigen ?
— Genau wie in allen zivilisierten Ländern. Die Staatsschuld ist ein Barometer des Wohlstands.
14. Der Wolf frisst die Lämmer
“—
Ist das, was Sie gesundes Geld nennen, Herr Martin ? Eine Staatsschuld, die
erforderlich und unzahlbar geworden ist, ist nicht gesund sondern ungesund.
—
Meine Herren, jedes gesunde Zahlungsmittel muss nach dem Gold berechnet werden
und als Schuld aus der Bank kommen. Die Staatsschuld ist eine gute Sache: sie
setzt die Regierungen unter die in dem Bankier verkörperte Weisheit. Als
Bankier bin ich eine Fackel der Zivilisation in Ihrer Insel.
—
Herr Martin, wir sind keine gelehrten Menschen, aber wir wollen keine solche
Zivilisation hier, Wir werden keinen Pfennig mehr von Ihnen annehmen. Gesundes
oder ungesundes Geld, wir wollen nichts mehr mit Ihnen zu tun haben.
—
Ich bedaure diese ungeschickte Entscheidung, meine Herren. Wenn Sie sich von mir
trennen wollen, ich habe Ihre Unterschriften. Erstatten Sie mir sofort das
Kapital und die Zinsen.
—
Das ist unmöglich, Herr Martin. Wenn wir Ihnen auch das ganze Geld der Insel
geben würden, wären wir nicht quitt.
— Da kann ich nichts dafür. Haben Sie unterschrieben, ja oder nein ? Ja ? Also ergreife ich hiermit Ihr gesamtes verpfändetes Eigentum auf Grund der Heiligkeit der Verträge, so wie es zu jener Zeit vereinbart wurde, in der Sie so froh waren, mich zu kennen. Wenn Sie der Übermacht des Geldes nicht freiwillig dienen wollen, dann werden Sie es widerwillig tun. Sie werden die Insel weiter bewirtschaften, aber für mich und unter meiner Bedingungen. Gehen Sie jetzt. Ich werde Ihnen morgen meine Befehle erteilen.”
15. Die Kontrolle der Zeitungen
Martin
weiß, dass derjenige, der das Währungssystem einer Nation kontrolliert, diese
Nation kontrolliert. Er weiß jedoch auch, dass die Bevölkerung in der
Unwissenheit bleiben und mit etwas anderem beschäftigt werden muss, um diese
Kontrolle aufrechtzuerhalten.
Martin
hat bemerkt, dass von den fünf Inselbewohner zwei konservativ und drei liberal
sind. Das kommt zum Vorschein, wenn die fünf abends miteinander sprechen,
hauptsächlich seitdem sie seine Sklaven geworden sind.
Zwischen
den Blauen und den Roten beginnen Streitereien.
Von
Zeit zu Zeit schlägt Heinrich eine Volkmacht vor, um die führenden Männer
unter Druck zu setzen... Eine gefährliche Macht für jede Diktatur. Martin wird
sich daher bemühen, ihre politische Uneinigkeit so gut wie möglich zu vergrößern.
Er benutzt seine kleine Presse und lässt zwei Wochenzeitungen erscheinen:
"Die Sonne" für die Roten, "Der Stern" für die Blauen.
"Die
Sonne" sagt im wesentlichen: wenn Sie nicht mehr Herr bei Ihnen sind, sind
die zurückgebliebenen Blauen, die immer hinter dickem Gewinn her sind, daran
Schuld.
"Der
Stern" sagt im wesentlichem: Ihre Staatsschuld ist das Werk dieser
verfluchten Roten, die immer auf politischen Abenteuer aus sind.
Deshalb zanken sich unsere zwei politischen Fraktionen noch mehr und vergessen dabei den wahren Kettenschmiede den Geldverwalter Martin.
16. Ein wertvolles Wrack
Eines
Tages entdeckt der Schürfer Thomas eine am Ende der Insel durch hohes Gras
versteckte Rettungsschaluppe ohne Ruder, ohne Dienstzeichen außer einer relativ
gut erhaltenen Kiste.
Er
öffnet die Kiste: Sie enthält Wäsche und einige Kleinigkeiten. Aber Thomas
Aufmerksamkeit fällt auf ein Bildband, das nicht allzusehr unter der Fahrt
gelitten hat und dessen Titel "Erstes Jahr von Vers Demain" lautet.
Neugierig
setzt sich unser Mann hin und öffnet das Band. Er liest, verschlingt es und
erstrahlt:
"—Genau
das hätten wir schon lange wissen müssen", ruft er.
"—
Das Geld zieht seinen Wert überhaupt nicht aus dem Gold, sondern aus den
Produkten, die mit Geld gekauft werden können.
Geld
kann ein einfaches Rechnungswesen sein, in dem die Kredite je nach Ein- und
Verkaufen von einem Konto zum anderen überwiesen werden. Der Gesamtbetrag des
Geldes in Zusammenhang mit der ganzen Produktion.
Jede
Produktionssteigerung muss einer gleichwertigen Gelderhöhung entsprechen... Nie
keine Zinsen auf frisch entstandenes Geld bezahlen... Der Fortschritt entspräche
nicht einer Staatsschuld, sondern einer Dividende, die für alle gleich wäre...
Die Preise wären der Kaufkraft durch einen Preiskoeffizienten angewiesen. Der
soziale Kredit..."
Thomas hält es nicht mehr aus. Er steht auf und läuft zu seinen vier Freunden, um ihnen über seine erstaunliche Entdeckung zu berichten.
17. Geld, ein einfaches Rechnungswesen
Thomas
lehrt die anderen:
"Das
sagt er, hätten wir schon lange tun können, ohne den Bankier, ohne Gold, ohne
Unterschrift, ohne Schuld.
Ich
eröffne ein Konto im Namen eines Jeden von euch. Rechts, der Kredit, was dem
Konto gutgeschrieben wird, links, das Schuldenkonto, mit dem das Konto belastet
wird.
Wir
wollen für jeden 300 DM um anzufangen. Beschließen wir einfach zusammen, 300
DM auf jedes Konto gutzuschreiben. Jeder besitzt sofort 300 DM.
Franz
kauft bei Paul Produkte für 15 DM. Ich ziehe 15 DM bei Franz ab, es bleiben ihm
285 DM Ich schreibe Paul 15 DM gut, er besitzt jetzt 315 DM.
Jakob
kauft bei Paul für 12 DM ein. Ich ziehe 12 DM bei Jakob ab, er behält 288 DM.
Paul besitzt dann 327 DM.
Paul
kauft bei Franz für 22 DM ein. Ich ziehe bei Paul 22 DM ab, es bleiben ihm 305
DM; ich schreibe Franz 22 DM gut, ihm stehen also 307 DM zur Verfügung, usw.
Von einem Konto zum anderen geht es weiter, genau wie Banknoten von einer Tasche
zur anderen wandern.
Braucht
einer unter uns Geld, um seine Produktion zu steigern, eröffnen wir mit ihm den
nötigen Kredit, ohne Zinsen. Er zahlt den Kredit zurück, sobald er seine
Produktion verkauft hat.
Das gilt auch für die öffentlichen Bauarbeiten. Wir schreiben auch regelmäßig jedem Konto eine zusätzliche Summe gut, ohne jemandem etwas abzuziehen, was dem sozialen Fortschritt entspricht. Das ist die nationale Dividende. Das Geld ist daher ein Dienstinstrument.
18. Die Verzweiflung des Bankiers
Alle
haben verstanden. Die Siedlung ist eine Gutschriftnation geworden. Am folgenden
Tag bekommt Martin einen von den fünf Männern unterschriebenen Brief:
"Herr
Martin, Sie haben uns ohne Grund verschuldet und ausgenutzt. Wir brauchen Sie
nicht mehr, um unser Währungssystem zu verwalten. Wir werden von nun an alles
Geld haben, das wir brauchen, ohne Gold, ohne Schulden, ohne Dieb. Wir führen
sofort das System des Sozialen Kredits auf der Insel ein. Die nationale
Dividende wird die Staatsschuld ersetzen.
Wenn
Sie auf die Rückzahlung bestehen, können wir Ihnen das ganze Geld, das Sie für
uns gemacht haben, zurückgeben, aber mehr nicht. Sie können nicht etwas
verlangen, was Sie gar nicht hergegeben haben."
Martin ist verzweifelt. Sein aufgebautes Reich bricht zusammen, Die fünf Männer haben alles verstanden. "Was nun ? Sie um Entschuldigung bitten? Werden, wie sie? Ich, ein Bankier?... Nein. Eher werde ich versuchen, ohne sie anzukommen und abseits von ihnen zu leben."
19. Der enthüllte Betrug
Um
sich gegen eine mögliche künftige Beschwerde zu schützen, haben unsere Männer
entschieden, dem Bankier ein Dokument unterschreiben zu lassen, das bestätigt,
dass er noch alles besitzt, was er bei seiner Ankunft bei sich hatte.
Daher
der gesamte Inventar: die Schaluppe, die kleine Presse und... das berühmte
Fass.
Martin
musste den Ort angeben und das Fass wurde ausgegraben. Unsere Männer ziehen es
aus dem Loch mit viel weniger Respekt diesmal. Der Soziale Kredit hat sie
gelehrt, den Fetisch Gold zu verachten.
Während
der Schürfer das Fass hochhebt, denkt er, dass es für Gold nicht sehr schwer
sei. "Ich bezweifle sehr, daß dieses Fass voll Gold ist" sagt er.
Der
stürmische Franz zögert nicht länger. Ein Axtschlag und das Fass gibt seinen
Inhalt preis: kein Gramm Gold darin. Felsbrocken! Lauter wertlose, gewöhnliche
Steine! Unsere Männer können es nicht fassen.
"-
Wenn man bedenkt, dass er uns so irregeführt hat, der Schuft! Mussten wir auch
blöd sein, um vor dem Wort GOLD in Ekstase zu geraten!
-
Wenn man bedenkt, dass wir ihm unser ganzes Eigentum verpfändet haben, wegen
paar Papierfetzen. die auf vier Schaufeln Steinen beruhten. Ein Dieb und
zugleich ein Lügner!
-
Wenn man bedenkt, dass wir böse miteinander waren und uns monatelang wegen
solch einem Betrug gehasst haben ! Zum Teufel mit ihm!"
Franz hatte kaum seine Axt gehoben, da lief der Bankier so schnell er konnte in den Wald hinein.
Louis Even
Geldsystem und Weltfinanzkrise
Prof. Bernd Senf - Tiefere Ursachen der Weltfinanzkrise
Was eben nur ein Ökonom erkennen kann und will, der gleichzeitig auch Philosoph ist!
"
Who,
the hell, is
Milliarden Menschen leben einfach so dahin und haben keine Ahnung
Helmut Creutz: Das Geld-Syndrom
Die - leider unvermeidliche - Auseinandersetzung mit Helmut Creutz
Unser heutiges Papiergeld-"Experiment" - Was ist Papiergeld? – unser heutiges Geld!
Das Ende des Papiergeld-Zeitalters
10 Punkte Plan zur effizienten Ausbeutung eines Planeten
Guido Schwelm, Ruhrland 10, 45239 Essen, G_Schwelm@web.de 0201/496221